Winfried Glatzeder liest im Cliff-Hotel Rügen

„Paul und ich“

01.12.2008

(mit Manuela Runge, Autobiographie) Aufbau-Verlag 2008

Seit „Paul und Paula“ (1973) gehörte Winfried Glatzeder zu den bekanntesten Schauspielern der DDR – bis er 1982 in die Bundesrepublik übersiedelt und seither mit seinen Theaterengagements und Fernsehrollen von sich reden macht. Nun erzählt er sein Leben – mit Charme und Humor, aber nicht ohne kritische Reminiszenzen über das öffentliche Dasein eines Gauklers.

Man nannte ihn den „Belmondo des Ostens“ – den attraktiven jungen Mann mit dem kantigen Gesicht und einem Sex-Appeal, der auf ostdeutschen Leinwänden äußerst rar war. Mit bissigem Witz und ironischem Charme erzählt der 1945 in Zopott geborene Glatzeder von seiner Nachkriegskindheit im Ostsektor Berlins, von seinem politisch engagierten Großvater und der Liebe seiner Großmutter, die über lange Zeit die aufgrund ihrer gesundheitlichen Instabilität abwesende Mutter ersetzte – der Vater, ein Arzt, war in der Kriegsgefangenschaft ums Leben gekommen. Von seinen Stiefvätern, die der pubertäre Tunichtgut meist mit einer gehörigen Portion Frechheit in die Flucht schlägt, und von den Anfängen seiner Schauspielkarriere. Nach einer Berufsausbildung zum Maschinenbauer beginnt Glatzeder mit 20 Jahren das Schauspielstudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg und dreht erste, kleine Episodenfilme u. a. mit Armin Mueller-Stahl („Ein Lord am Alexanderplatz“, 1966). Nach „Zeit der Störche“ und „Der Mann, der nach der Oma kam“ gelingt Glatzeder 1973 an der Seite von Angelica Domröse im Kultfilm „Paul und Paula“ der endgültige Durchbruch. Mit der Titelrolle in „Till Eulenspiegel“ setzt er seine Erfolge fort. Zugleich ist er auch auf der Bühne präsent, wo er u. a. mit Fritz Marquardt und Benno Besson arbeitet.

Doch seine Arbeit gerät immer wieder in das Blickfeld der Stasi, sein Umfeld wird Opfer von Bespitzelungen. 1982 zieht Glatzeder mit seiner Familie nach West-Berlin, wo er zunächst am Schiller-Theater engagiert ist.

Immer wieder gerät er in künstlerische wie private Krisen. So erzählt diese Autobiographie auch von künstlerischer Identitätsfindung, kreativen Reifeprozessen und den Schwierigkeiten eines Schauspielerlebens zwischen Ost und West. Bis heute ist Glatzeder auf Bühne und Leinwand präsent.

Winfried Glatzeder wurde am 26. April 1945 in Zopott geboren, absolvierte nach einer Ausbildung zum Maschinenbauer ein Schauspielstudium an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg und avancierte bald zu einem der bekanntesten Schauspieler der ehemaligen DDR. Er spielte u.a. am Hans-Otto-Theater in Potsdam und gehörte seit 1971 zum Ensemble der Volksbühne Berlin. 1982 siedelte er mit seiner Familie in die Bundesrepublik über. Dort wurde der Charakterdarsteller dann vor allem bekannt durch den "Tatort", wo er von 1996 bis 98 den Kommissar Ernst Roiter verkörperte, diverse Serieneinsätze beispielsweise in "Der Alte" und "Liebling Kreuzberg" sowie mit seinen Rollen in Filmen wie „Rosa Luxemburg“ (1986) oder „Vergeßt Mozart“ (1985).

Bis heute ist Glatzeder auf Bühne und Leinwand präsent ("Sonnenallee", "Die Flucht" u.v.a.)